Öffentliches Laden günstiger und transparenter: BNM setzt Reformimpulse beim ChargePoint Measurement Summit
- Silvia Josten

- 16. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 16. Apr.

16. April 2026 · Bundesverband Neue Mobilität e.V. (BNM) · Berlin
Zu hohe Ladekosten, intransparente Tarife und teure Hardware bremsen die Elektromobilität. Der BNM e.V. hat beim ChargePoint Measurement Summit konkrete Lösungen präsentiert – mit Einsparpotenzial in Milliardenhöhe.
Warum öffentliche Ladeinfrastruktur reformbedürftig ist
Wer sein Elektroauto an einer öffentlichen Ladestation auflädt, steht häufig vor einem Problem: Tarife sind schwer vergleichbar, Abrechnungen kaum nachvollziehbar, und die Kosten bleiben hoch. Diese Missstände behindern die breite Akzeptanz der Elektromobilität in Deutschland und Europa. Der Bundesverband Neue Mobilität e.V. (BNM) hat diesem Thema am 10. April 2026 in Berlin eine ganztägige Fachveranstaltung gewidmet – den ChargePoint Measurement Summit.
Tariftransparenz und Kostensenkung als zentrale Forderungen für öffentliches Laden
Im Mittelpunkt der Veranstaltung standen zwei Kernziele: echte Tariftransparenz für Nutzer sowie eine deutliche Reduktion der Kosten für Errichtung und Betrieb von Ladestationen. BNM-Vorständin Anja Quast brachte die Stoßrichtung auf den Punkt:
„Im Sinne einer breiteren Akzeptanz der Elektromobilität muss es der Anspruch sein, an den öffentlichen Chargern ein transparenteres und zugleich kostengünstigeres Ladeerlebnis zu ermöglichen, als dies derzeit häufig der Fall ist."
— Anja Quast, geschäftsführende Vorständin des BNM
Milliardeneinsparungen durch offene Informatikstandards
Hauptredner Thomas Mertens, Fachvorstand des BNM und Leiter der Fachgruppe Normung & Recht, stellte Konzepte vor, die auf global etablierten Informatikstandards zur validierbaren Kommunikation basieren. Bereits verfügbare Prototypen könnten kurzfristig in die Praxis überführt werden. Mertens betonte das enorme wirtschaftliche Potenzial:
„Wenn bei Herstellung, Betrieb und selbst bei Wartungsmaßnahmen wie dem Kabeltausch konsequent auf die präsentierten Technologien und etablierte Informatikstandards gesetzt wird, lassen sich EU-weit Einsparungen in Milliardenhöhe realisieren."
— Thomas Mertens, Fachvorstand BNM
Aufgrund seiner Expertise wurde Mertens in den Regelermittlungsausschuss Ladeinfrastruktur der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) berufen. Dort wird er Standardisierungsverfahren initiieren, die über VDE-DKE-SPECs zu offenen, lizenzfreien Standards weiterentwickelt werden sollen.

§14a EnWG: Netzdienliche Steuerung ohne teure Zusatzhardware
Ein weiterer Schwerpunkt war die gesetzlich geforderte netzdienliche Steuerbarkeit gemäß §14a Energiewirtschaftsgesetz (EnWG). Bisher wird diese meist über kostenintensive Zusatzhardware umgesetzt. Der BNM sieht jedoch einen deutlich günstigeren und sichereren Weg: die Realisierung über validierbare Kommunikation. Die potenziellen Einsparungen für Verbraucher beziffert der Verband auf einen zweistelligen Milliardenbetrag.
AFIR-Vorgaben und der neue MID-011-Zähler
Regulatorisch rückte die Umsetzung der AFIR-Verordnung (Alternative Fuels Infrastructure Regulation) in den Fokus – insbesondere die Pflicht zur separaten Displayanzeige an Ladepunkten. Als technische Grundlage für die künftige Ladeinfrastruktur wurde der europäische MID-011-Zähler vorgestellt, der eine geeichte und transparente Messung des geladenen Stroms ermöglicht.
Öffnung für neue Anwendungsfelder: V2G, Smart Meter und Logistik
Die geplante Reform schafft nach Einschätzung des BNM auch die Voraussetzungen für zentrale Zukunftsanwendungen: Durchleitungsmodelle, bidirektionales Laden (Vehicle-to-Grid), die Integration in Energiemanagementsysteme und Smart-Meter-Gateways (SMGW) sowie Lösungen für Logistik, Handel und Mietwagen. Ziel ist es, intransparente und teils monopolartige Marktstrukturen durch offene, interoperable Systeme zu ersetzen.
Hochkarätige Expertinnen und Experten beim Summit
Die Veranstaltung versammelte führende Fachleute aus Metrologie und Regulierung: Dr. Marko Esche (Leiter der metrologischen Abteilung der PTB) und Holger Spranger (Direktor des Landesamts für Mess- und Eichwesen Berlin-Brandenburg, Sprecher der AGME Elektromobilität) diskutierten im Anschluss an die Vorträge mit den Teilnehmenden. Rolf Uhlig (Gründer der Webolution GmbH) beleuchtete aktuelle Digitalgesetze und regulatorische Rahmenbedingungen.
BNM öffnet Fachgruppenarbeit für Nichtmitglieder
Der BNM versteht sich als führender Fachverband für Neue Mobilität in Deutschland. Um den Hochlauf der Elektromobilität voranzutreiben, öffnet er seine Fachgruppenarbeit zunehmend auch für Nichtmitglieder – wie zuletzt in Berlin geschehen. In enger Zusammenarbeit mit Herstellern, Charge Point Operators (CPOs), Softwareanbietern und weiteren Marktakteuren soll die vorhandene Expertise gebündelt werden.
Der ChargePoint Measurement Summit des BNM hat gezeigt: Günstigeres, transparenteres und zukunftsfähiges öffentliches Laden ist technisch und regulatorisch machbar. Die Weichen sind gestellt – jetzt kommt es auf die konsequente Umsetzung offener Standards an.







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